 | Süddeutsche Zeitung: Lächelnder Alleskönner |
Stürmer Brandon Dietrich gilt beim EHC als "Glücksfall"
Brandon Dietrich hatte seine Tochter schon auf dem Arm, die zweijährige Eva, als Stinktier verkleidet, es ist ja Fasching, auch für kanadische Kinder. Draußen wartete Ehefrau Tamara, aber Dietrich, 30, Stürmer des Eishockey-Zweitligisten EHC München, konnte jetzt noch nicht gehen. Der Coach wollte ihn sprechen, in seinem Büro in den Katakomben der Olympia-Eissporthalle. Der Anlass war kein schöner: Brandon Dietrich musste an diesem Montag nach Hause fliegen, nach Waterloo, ungefähr eine Stunde von Toronto entfernt, er muss zur Beerdigung seiner Großmutter. Am Donnerstag kommt er zurück, sie brauchen ihn ja in München, er ist einer ihrer besten Stürmer. Zuvor, beim 3:2-Sieg nach Verlängerung gegen Bremerhaven, hatte Dietrich das Siegtor erzielt. Mal wieder.
"Das mit seiner Oma bedrückt ihn schon", sagt EHC-Manager Christian Winkler, der Verein willigte sofort ein, als Dietrich um die viertägige Freistellung bat. "Das ist wichtig für mich", sagt Dietrich, er hatte eine enge Beziehung zur Großmutter, aber jetzt, am Sonntagabend, gibt er sich Mühe, nicht bedrückt zu sein. Er lächelt.
Trainer Pat Cortina sagt, dass er genau das an Brandon Dietrich so mag: dieses Lächeln, diesen Optimismus. "Wenn Brandon mal nicht lächelt", sagt Cortina, "dann bin ich besorgt." Wenn man fragt, warum genau Brandon Dietrich so wichtig ist für den EHC München, dann antwortet Cortina mit nur einem Satz: "He is a winner." Als Dietrich nach Saisonbeginn nach München kam, haben sie beim EHC von einem "Glücksfall" gesprochen.
Dietrich war vergangene Saison in Landshut angestellt, er wollte dann in die DEL wechseln, aber er hatte zu lange gewartet, es kam kein Angebot, und dann waren auch die Zweitligisten voll besetzt. Der EHC nahm ihn - und hat damit alles richtig gemacht. In 35 Spielen hat Dietrich bislang 39 Punkte erzielt, "er kann alles", sagt Cortina, "Schüsse blocken, Bodychecks, Tore schießen, Tore vorbereiten".
Nun wollen sie ihn unbedingt behalten, Manager Winkler wird Dietrich demnächst ein Angebot unterbreiten, allerdings mit dem Hinweis, dass er diesmal nicht zu lange pokern sollte. "Bis Juli warten wir nicht", sagt Winkler. Aber das hat Dietrich auch nicht vor. Er hofft zwar noch immer auf die DEL, aber so lange wie vergangene Saison will er seine Entscheidung diesmal nicht verzögern. Und: Obwohl er mit dem ehemaligen Münchner Rich Bronilla, der derzeit in Landshut unter Vertrag steht, befreundet ist und auch die Kinder der beiden sich sehr mögen, schließt es Dietrich aus, bei einem anderen Zweitligisten zu spielen. "Wenn ich in der Liga bleibe, dann bleibe ich in München", sagt er.
Angebot an Josef Lehner
Dietrich bildet beim EHC zusammen mit Topscorer Mike Kompon und Martin Schymainski eine Sturmreihe, die passt: "Mike ist einer der besten Vorbereiter, mit denen ich je gespielt habe, und Schymmi ist ein unglaublich harter Arbeiter", sagt Dietrich. Manager Winkler würde die Reihe gerne auch kommende Saison in München sehen, deshalb wird er auch Kompon demnächst ein Angebot unterbreiten - wenngleich er weiß, dass es bei Kompon wieder eine ungewisse Situation bis zum Schluss sein wird. "Mike ist auch bei anderen Klubs begehrt", sagt Winkler.
Ähnliches gilt für Josef Lehner: Der 37-jährige Verteidiger des DEL-Klubs Straubing Tigers hat ein Angebot über einen Einjahresvertrag des EHC vorliegen, wie Winkler der SZ bestätigt. Lehner wird wohl in Straubing keinen Vertrag mehr bekommen; allerdings würden auch Lehners Heimatverein Riessersee sowie Zweitligaspitzenreiter Bietigheim ihn gerne verpflichten. "Seine Tendenz ist wohl 70 Prozent zu Garmisch, 30 Prozent zu uns", schätzt Winkler, aber er hofft noch.
Unentschieden ist die Situation auch noch bei David Wrigley, Austin Wycisk und Dave Reid, neben Dietrich und Kompon die übrigen ausländischen Akteure des EHC. Die Tendenz sei positiv, sagt Winkler, aber es werde erst Ende der Playoffs entschieden, ob alle drei weiterverpflichtet werden sollen. Brandon Dietrich ist so gesehen in einer komfortablen Situation: Seine Bewerbungszeit in München ist vorbei, er muss sich nicht mehr zusätzlich beweisen. Schon lange nicht mehr.
Michael Neudecker
SZ vom 24.02.2009
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